SAN FERMIN

San Fermín ist ein Wahnsinn, ein unbeschreiblicher Gefühlsausbruch. Am 6. Juli, um zwölf Uhr mittags, versammeln sich Tausende Jugendliche auf dem Rathausplatz. Unzählige weitere Einwohner Navarras finden sich auf dem Plaza del Castillo und in den umliegenden Straßen ein, um in Jubel auszubrechen, wenn das “Viva San Fermín, Gora San Fermín” (“Hoch San Fermín”) und der offizielle Startschuss ertönen.

Die Stadt vergisst alle Vernunft, der Champagner fließt. Weiß gekleidet, bindet man sich irgendwie das rote Halstuch um. 9 Tage Freude, Ausgelassenheit, Stierkämpfe und Stierlaufen, Musik, Feuerwerke, etc. stehen bevor. 

Dieses Fest wird so stark herbeigesehnt, dass die Einwohner Navarras das ganze Jahr über das bekannte “1. Januar, 2. Februar, 3. März...” singen.  An diesen Tagen, der sog. “Leiter” feiern die Festgruppen die immer kürzer werdende Wartezeit auf San Fermín.  

Am 7. Juli wogt in Pamplona die Emotion der San Fermín Prozession und des Tages des Kindes, an dem die Kleinen dem Heiligen Blumen darbieten. 

Pamplona versinkt in den San Fermines. Die Tage sind herrlich, voller Leben und Licht. In den Straßencafés brodelt es. Auf der Straße sorgen verschiedene Figuren, wie z.B. die “Dickköpfe”und “Riesen”,  oder die kilikis und zaldikos (“schubsende Reiter”) für den Spaß der Jüngsten. Darbietungen von Jotas (typische Lieder), Tänzen, Salsa, sowie Maler, Händler und Mimen erobern die Stadt.

So gegen fünf nähert sich der Zeitunkt des Stierkampfs. Hier finden sich Liebhaber dieser Aktivität ein, die die besten Toreros und Stiere sehen wollen, aber auch die Jugendlichen aus den verschiedenen Festgruppen, mit Handtüchern, Mützen, großen Behältern voller Sangría und sorgfältig zubereiteten Vespern, die sie dann beim dritten Stier verspeisen. Für sie ist das, was da unten in der Arena abgeht, zweitrangig.

Um 11 Uhr nachts beginnt der Zauber der Feuerwerke, die von der Zitadelle aus abgeschossen werden. Und anschließend geht das Fest erst richtig los. Alle weiß gekleidet, mit dem roten Halstuch als i-Punkt, dazu beliebte und bekannte Tanzmusik, Menschen aus allen Ländern der Welt, die sich vergnügen wollen, Kneipen, die nicht schließen.....ein unglaubliches Ambiente.

Aber am 14. Juli ist alles vorbei und endet auf dem Rathausplatz mit zwei Liedern. Eines davon ist traurig und besagt “ Oh ich Armer, oh ich Armer, die San Fermín Fiestas sind nun vorbei” , das andere fröhlich und optimistisch. In ihm heißt es “ Und immer kürzer wird die Zeit, und immer kürzer wird die Zeit, bis zu den nächsten Sanfermines”. Und alle tanzen dazu.

  
DER ENCIERRO
   
Es ist kurz vor acht Uhr morgens. In der Cuesta de Santo Domingo betrachten die Stiertreiber, mit aufgerollter Zeitung in der Hand, das Bildnis des schwarzen Heiligen. Und drei Mal singen sie “Möge unser Patron San Fermín uns leiten auf des encierros Wegen und uns geben seinen Segen”. Nur wenige Sekunden nachdem der letzte Ton dieser Bitte verklungen ist, hört man den Knall der Feuerwerksrakete und die Türen des 

Geheges, in dem sich die Stiere befinden, werden geöffnet. Ganz Navarra hält den Atem an.   

Kraftvoll beginnen die Stiere ihren Lauf auf der eingezäunten, 848 Meter langen Strecke: Plaza Consistorial, Mercaderes, Estafeta. Es sind Stiere mit einem Gewicht von rund einer halben Tonne, spitzen Hörnern und kraftvoller Gestalt. Eine weitere Rakete zeigt an, dass nun alle Stiere das Gehege verlassen haben.

Umgeben von den mozos, den Stiertreibern, legen die Stiere ihren Weg zurück. Einige rutschen aus, andere wenden sich mit beeindruckenden Gebärden in Richtung der Gehwege. Die Stiertreiber rennen, springen über Mitstreiter oder Stiere, die am Boden liegen; wenn sich ein Stier umdreht, setzen sie alles daran, dass er wieder die richtige Richtung einschlägt. Wenn alles gut geht, gelangen sie nach drei Minuten an die Stierkampfarena und wieder ist es eine Rakete, die anzeigt, dass der letzte Stier die Arena betreten hat. Sie werden in die Stierzwinger getrieben. Die letzte Rakete ertönt und Navarra atmet auf.

Tausende Einwohner Navarras, Liebhaber des encierros, kommen nach Pamplona, um diesem Schauspiel direkt beizuwohnen oder verfolgen es überall im Lande vor dem Fernseher. Mit Leidenschaft betrachten sie dieses spannende Treiben, das einer mittelalterlichen Tradition folgt, als die Viehzüchter die Stiere aus den Bergen zu den Stierkämpfen heruntertrieben. Am Tag des Stierkampfes, und unterstützt von den Viehhirten, Leitstieren und -ochsen, trieben sie im Morgengrauen die Tiere durch die Straßen auf den Platz, der damals als Arena diente. Schon im 19. Jahrhundert begannen die Pamplonesen vor den Tieren herzurennen und schufen so einen Ritus, der sich bis heute erhalten hat. 

Die guten Läufer kommen ausgeruhrt zu dem morgendlichen Rennen, trainieren, wissen, was sie zu tun haben. Die größte Gefahr stellt nicht der Stier dar, sondern die vielen Unbedachten, die unter dem Einfluss des Alkohols meinen, an diesem Sport teilnehmen zu können. Viele von ihnen haben noch nie einen Stier gesehen. Im Laufe der Geschichte sind bei den encierros dreizehn Personen zu Tode gekommen und mehr als 200 erlitten Verletzungen. Lassen Sie also Vorsicht walten, und wenn Sie kein erfahrener Läufer sind, schauen Sie sich das Ganze lieber von einem sicheren Platz hinter der Abzäunung oder vor dem Fernseher an.

 


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